Was eine Schweizer Arztpraxis-Website haben muss
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Die kurze Antwort
Acht Dinge, in dieser Reihenfolge: Sprechzeiten mit Ferien und Vertretung, Notfallhinweis mit 144 und dem regionalen Notfalldienst, der Aufnahmestand, Anfahrt mit Zugänglichkeit, ein Team mit echten Fotos und korrekten Titeln, eine Anmeldung ohne Diagnoseabfrage, eine Datenschutzerklärung, die Gesundheitsdaten beim Namen nennt, und Lesbarkeit für alle. Alles andere ist Kür.
Stand: 9. September 2026. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung; die standesrechtliche Beurteilung Ihrer Inhalte bleibt bei Ihnen und Ihrer kantonalen Ärztegesellschaft.
Wir haben in den letzten Jahren Praxis-Websites gebaut, umgebaut und vor allem: viele gelesen. Die meisten scheitern nicht am Design. Sie scheitern daran, dass die Person, die um 22 Uhr auf dem Sofa nach «Hausarzt Wattwil neue Patienten» sucht, auf der Seite nicht findet, was sie wissen will, und am Montagmorgen anruft. Dann klingelt es bei der MPA, die gerade drei Menschen vor sich hat.
Deshalb ist die wichtigste Frage an eine Praxis-Website nicht «Sieht sie modern aus?», sondern «Welche Anrufe verhindert sie?». Aus dieser Frage folgen acht Inhalte. Wir zählen sie in der Reihenfolge auf, in der Patientinnen und Patienten sie brauchen.
1. Sprechzeiten, Ferien und Vertretung zuoberst
Nicht im Untermenü «Praxis», nicht als PDF, nicht im Footer. Die Sprechzeiten stehen auf der Startseite, im ersten Bildschirm, auch auf dem Handy. Dazu gehört eine Meldung, die die Praxis selbst setzen kann: «Ferien vom 6. bis 20. Oktober, Vertretung Dr. Muster, Telefon …». Diese eine Meldung erspart im Ferienmonat mehr Anrufe als jede andere Zeile der Website.
Was wir zugeben: Eine Meldung, die niemand pflegt, ist schlimmer als keine. Wenn absehbar ist, dass in der Praxis niemand zwei Minuten dafür findet, lassen wir sie weg und schreiben die Ferien in die Sprechzeiten.
2. Notfallhinweis mit den richtigen Nummern
Wer mit einem Notfall auf eine Praxis-Website kommt, ist am falschen Ort. Die Seite muss ihn in einer Sekunde weiterschicken: 144 für den Sanitätsnotruf, 145 für Tox Info Suisse bei Vergiftungen, dazu die Nummer des ärztlichen Notfalldienstes Ihrer Region mit dem Hinweis, wann er gilt. Diese Zeile gehört auf jede Seite, nicht nur auf die Startseite, denn niemand weiss, auf welcher Unterseite jemand landet.
3. Die Antwort auf «Nehmen Sie neue Patientinnen und Patienten auf?»
Das ist die meistgestellte Frage am Praxistelefon, und sie hat nur drei Antworten: ja, nein, nur mit Einschränkung. Alle drei lassen sich in einem Satz schreiben. Auch ein Nein ist eine gute Antwort, denn es erspart der Person den Anruf und der MPA das Erklären. Viele Praxen scheuen das Nein auf der Website, weil es endgültig wirkt. Es ist eine Meldung, die man morgen ändern kann.
4. Anfahrt mit Zugänglichkeit
Adresse, Karte, Parkplätze, Haltestelle, und dann das, was auf fast keiner Praxis-Website steht: Stockwerk, Lift, Zugang mit Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen. Wer mit einer 84-jährigen Mutter kommt, will das vorher wissen. Ein Foto vom Eingang hilft mehr als der beste Wegbeschrieb.
5. Team mit echten Fotos und korrekten Titeln
Vertrauen entsteht über Gesichter. Nicht über Stockfotos von Modellen im weissen Kittel, die auf Dutzenden Praxis-Websites dieselben sind, sondern über die Menschen, die man dann im Wartezimmer trifft. Dazu Funktion, Sprachen und der Facharzttitel so, wie er geführt werden darf. Wer «Facharzt für Allgemeine Innere Medizin» ist, schreibt genau das, nicht «Spezialist für Ihre Gesundheit».
6. Anmeldung ohne Diagnoseabfrage
Ein Kontaktformular auf einer Praxis-Website ist erlaubt und sinnvoll. Es darf nur nicht zur Krankengeschichte werden. Daten über die Gesundheit gelten nach dem Datenschutzgesetz als besonders schützenswerte Personendaten (Art. 5 Bst. c revDSG, gelesen auf fedlex.admin.ch am 9. September 2026). Ein Formular, das nach Beschwerden fragt, sammelt genau solche Daten, oft unverschlüsselt in einem Postfach. Die gute Anmeldung fragt: Name, Rückrufnummer, Anliegen in einem Wort, gewünschte Zeit. Der Rest gehört ins Gespräch.
7. Datenschutzerklärung, die Gesundheitsdaten beim Namen nennt
Jede Website braucht eine Datenschutzerklärung nach revDSG und ein Impressum. Bei einer Praxis muss die Erklärung zusätzlich sagen, dass über das Formular keine Gesundheitsdaten erhoben werden sollen, wie die Übertragung verschlüsselt ist, wo die Server stehen und wie lange Anfragen aufbewahrt werden. Eine Datenschutzerklärung aus dem Generator einer Schreinerei deckt das nicht ab.
8. Lesbarkeit für alle
Ein Teil Ihrer Patientinnen und Patienten sieht schlecht, ein Teil bedient das Handy mit zitternden Händen, ein Teil liest langsam. Kontrast, Schriftgrösse, Tastaturbedienung, beschriebene Bilder und Tappflächen, die man auch mit dem Daumen trifft: Das ist keine Sonderausstattung, sondern der Grund, warum eine Praxis-Website nüchtern aussehen darf.
Was auf keine Praxis-Website gehört
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Patientenstimmen mit Behandlungserfolg
«Nach drei Wochen war ich beschwerdefrei» ist ein Heilversprechen aus fremdem Mund. Das Medizinalberufegesetz verlangt Werbung, die objektiv ist und weder irreführend noch aufdringlich (Art. 40 Bst. d MedBG). Google-Bewertungen mit Anzahl dürfen Sie verlinken; auf die Website holen wir sie nicht.
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Superlative und Vergleiche
«Die modernste Praxis der Region» ist nicht messbar und deshalb nicht objektiv. Was messbar ist, darf stehen: Öffnungszeiten, Geräte, Titel, Sprachen.
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Das Leitbild vor den Sprechzeiten
Niemand sucht eine Praxis nach ihrem Leitbild aus. Wenn es Ihnen wichtig ist, bekommt es eine eigene Unterseite. Auf der Startseite steht, was gefragt wird.
Und was ist mit Terminbuchung, Blog, Fotos?
Das ist die Kür, und sie lohnt sich oft. Online-Terminbuchung, wenn Ihr Praxissystem sie hergibt und sie auf Ihrer Seite bleibt statt auf einem fremden Portal. Ein Blog, wenn jemand in der Praxis ihn wirklich pflegt; ein Blog mit drei Beiträgen aus 2023 schadet mehr, als er nützt. Eigene Fotos von Räumen und Team, immer.
Was wir bewusst weglassen, auch wenn es gefragt wird: alles, was die Praxis grösser aussehen lässt, als sie ist. Eine kleine, wahre Website schlägt eine grosse, geschönte, weil die Patientin sie am Empfang mit der Wirklichkeit vergleicht.
Wie so eine Seite aussieht und was sie kostet, steht auf Website für Ärzte, Praxen und Spitäler. Die Rechtsfragen dahinter beantworten zwei weitere Beiträge: Darf eine Arztpraxis werben? und Gesundheitsdaten im Kontaktformular.
