Was kostet ein Klick auf Facebook in der Schweiz?
· Lesezeit ca. 10 Min.
Die kurze Antwort
Ich habe für die Schweiz keine belegte Zahl gefunden — keine der aufgesuchten Quellen nennt Stichprobe, Zeitraum und Land. Gefunden habe ich länderlose Sammelwerte wie 1.72 US-Dollar (auf zwei Sammelseiten mit Branchen-Benchmarks, gelesen am 29.08.2026, ohne Länderangabe) — und Metas eigene Angabe, dass der durchschnittliche Preis je Anzeige im Quartal bis 30.06.2026 weltweit 12 % über dem Vorjahr lag.
Stand: 29. August 2026. Ihren eigenen Klickpreis messen Sie in etwa zwanzig Minuten — der Weg steht weiter unten, und er ist die einzige Zahl, mit der Sie rechnen können.
Die Frage kommt in Erstgesprächen über bezahlte Anzeigen regelmässig: was kostet ein Klick? Sie ist berechtigt, und die Antwort ist unbefriedigend — nicht weil niemand rechnet, sondern weil die Zahl, die kursiert, aus einem anderen Land, einem anderen Kampagnenziel und teilweise aus einem anderen Jahr stammt als Ihre Kampagne.
Ich habe die Quellen aufgesucht, die man findet, wenn man auf Deutsch und auf Englisch nach Schweizer Klickpreisen sucht. Das Ergebnis dieses Nachmittags: eine belastbare Schweizer Zahl habe ich nicht gefunden — dafür drei Erkenntnisse, die brauchbarer sind als eine erfundene.
Was behauptet wird
Behauptung 1
«Der durchschnittliche Facebook-Klickpreis liegt bei 1.72 US-Dollar»
Diese Zahl steht auf mehreren Sammelseiten, mit Stand 2026. Sie ist kein Phantasiewert — aber sie ist branchenübergreifend, kampagnenzielübergreifend und ohne Länderangabe. Für die Schweiz sagt sie nichts.
Behauptung 2
Derselbe Klickpreis, ein völlig anderer Wert
Unter derselben Frage kursieren deutlich tiefere Werte. Gelesen habe ich auf einer Seite 0.70 US-Dollar für Verkehrs-Kampagnen und im selben Text 1.72 als branchenübergreifenden Wert. Das sind zwei verschiedene Grössen — ein Wert für ein bestimmtes Kampagnenziel und ein Sammelwert über alle. Zitiert werden sie als dieselbe Zahl.
Behauptung 3
Ein Mindestbudget von zehn Dollar pro Tag bei LinkedIn
Diese Zahl wird viel weitergegeben; einen belegbaren Ursprung habe ich nicht gefunden, und auf LinkedIns Hilfeseite zum Mindestbudget steht sie nicht. Dort steht eine ganz andere Anforderung — und für die Schweiz ausdrücklich mit Frankenbetrag. Dazu unten ein eigener Abschnitt, es ist der lohnendste Teil dieses Beitrags.
Was tatsächlich in den Quellen steht
Ich habe zwei viel zitierte Benchmark-Sammlungen gerendert gelesen. Beide nennen eine Methodik — insofern ist der oft gehörte Vorwurf «keine Methodik» falsch, und ich gebe ihn nicht weiter. Das Problem liegt eine Ebene tiefer.
Die erste Seite beschreibt ihre Grundlage als Zusammenführung aus dem Berichtswesen des Werbeanzeigenmanagers, mehreren Analyse-Plattformen und anonymisierten Portfolio-Daten von Agenturen. Sie nennt keine Stichprobengrösse, kein Land und keine Streuung. Und sie beschreibt dieselbe Zahl an zwei Stellen unterschiedlich: im Fliesstext als Durchschnittswert über alle Branchen, im Methodik-Absatz sind die Werte als Mediane des ersten Quartals 2026 bezeichnet — mit einem Vorbehalt für abweichend gekennzeichnete Zahlen. Formal ist das kein Widerspruch. Praktisch kann ein Leser nicht erkennen, was 1.72 nun ist — und bei Klickpreisen ist das keine Nuance: die Verteilung ist rechtsschief, ein paar sehr teure Branchen ziehen den Durchschnitt hoch, den Median nicht.
Die zweite Seite trägt ein Aktualisierungsdatum aus dem Sommer 2026 und nennt 0.70 US-Dollar für Verkehrs-Kampagnen, dazu 1.72 als branchenübergreifenden Langfristwert. In derselben Seite stehen Absätze, die ausdrücklich das Vorjahr beschreiben. Wer daraus «der Klickpreis 2026» zitiert, greift in einen Text, der zwei Jahre und mehrere Kampagnenziele mischt.
01 Der Kern des Problems
Ein Klickpreis ist kein Preis, sondern ein Auktionsergebnis
Bei Meta gibt es keine Preisliste. Was ein Klick kostet, entsteht in einer Auktion — abhängig davon, auf welches Ereignis Sie optimieren, wie gross und wie umkämpft Ihre Zielgruppe ist, wie gut Ihre Anzeige zu ihr passt und wie viele andere zur selben Zeit dieselben Menschen erreichen wollen.
Deshalb kann eine Landeszahl das, was Sie von ihr erwarten, gar nicht leisten: zwei Firmen im selben Dorf, mit demselben Budget, zahlen unterschiedliche Klickpreise — und beide liegen «im Durchschnitt» falsch. Eine Benchmark beschreibt einen Zustand des Marktes, nicht Ihre Rechnung.
Das ist eine Herleitung aus der Funktionsweise der Auktion, keine Messung — und sie erklärt, warum ich Ihnen unten das Messen Ihres eigenen Werts zeige statt einer Tabelle mit Branchenwerten.
Was belegt ist — drei Zahlen, die halten
Drei Angaben habe ich an ihrer jeweiligen Primärquelle selbst gelesen. Sie sind kein Ersatz für einen Schweizer Klickpreis, aber sie sind das, was man ehrlich verwenden kann.
Meta, Quartalsbericht
Preis je Anzeige +12 %
Laut Metas Medienmitteilung vom 29.07.2026 lag der durchschnittliche Preis je Anzeige im Quartal bis zum 30.06.2026 um 12 % über dem Vorjahresquartal, bei 14 % mehr ausgelieferten Anzeigen. ⚠️ Weltweiter Konzernwert über alle Märkte und Formate — keine Aussage über die Schweiz, aber die einzige Preisangabe, die von Meta selbst kommt.
LinkedIn, Hilfebereich
CHF 100.– nicht ausgegebenes Budget
«Jede Kampagne muss ein nicht ausgegebenes Budget von 100 USD oder eine entsprechende Währung haben, um eine neue Anzeigengruppe zu starten.» Die Währungstabelle nennt für die Schweiz ausdrücklich CHF 100.–. Das ist keine Tagesausgabe, sondern eine Reserve, die im Gesamtbudget frei sein muss.
LinkedIn, Hilfebereich
Mindestens 300 Mitglieder-Accounts
«Damit Sie eine Anzeigengruppe starten können, muss Ihre Zielgruppe mindestens 300 Mitglieder-Accounts umfassen.» Für eine Schweizer Nischenzielgruppe ist das die Schranke, an die man zuerst stösst — nicht der Klickpreis.
Der Fund des Tages: die Primärquelle war selbst falsch übersetzt
Beim Nachlesen der LinkedIn-Seite zum Mindestbudget ist mir die Währungstabelle aufgefallen. In der deutschen Fassung steht für Indien «5 Mitglieder» — in einer Spalte, die Geldbeträge enthält. Und für Japan steht «8» statt eines vierstelligen Betrags.
Im englischen Original derselben Seite stehen 5’000 INR und 8’000 JPY. Die deutsche Fassung hat die Tausender-Angabe verloren und bei Indien zusätzlich ein sinnloses Wort eingesetzt. LinkedIn weist auf derselben Seite selbst darauf hin, maschinelle Übersetzung zu testen und um Bewertung der Qualität zu bitten — das ist transparent, macht aber die betroffenen Zeilen der deutschen Fassung unbrauchbar.
| Währung | Deutsche Fassung | Englisches Original |
|---|---|---|
| CHF | 100 | 100 — stimmt überein |
| EUR | 100 | 100 — stimmt überein |
| INR | «5 Mitglieder» | 5’000 |
| JPY | 8 | 8’000 |
Für die Schweiz ist die Angabe unbeschädigt — CHF 100 steht in beiden Fassungen. Genau das macht den Fall lehrreich: die Seite sieht vertrauenswürdig aus, ist es für den Frankenbetrag auch, und ist es zwei Zeilen darüber nicht.
Die Lehre daraus ist grösser als LinkedIn: «Primärquelle» heisst Originalsprache. Eine maschinell übersetzte Hilfeseite ist eine Sekundärquelle mit dem Aussehen einer Primärquelle. Wenn eine Zahl in einer Entscheidung landet, lesen Sie sie in der Sprache, in der der Anbieter sie geschrieben hat.
Lieber Ihre Zahl als eine fremde
Wenn Sie wissen wollen, was ein Klick in Ihrem Markt kostet — und ob Ihr Budget für Ihr Kampagnenziel überhaupt reicht: Ich schaue mir das in einem kostenlosen Erstgespräch mit Ihnen an, unverbindlich, mit Antwort innert 48 Stunden an Werktagen.
So messen Sie Ihren eigenen Klickpreis
Das ist der Teil, der eine Benchmark ersetzt. Wer schon Anzeigen geschaltet hat, hat die Zahl bereits im Konto — sie wird nur selten so angesehen, dass sie etwas aussagt.
02 Fünf Schritte, etwa zwanzig Minuten
Aus dem eigenen Konto statt aus einem Blog
Die richtige Spalte einblenden
Werbeanzeigenmanager → Spalten anpassen → «Kosten pro Link-Klick». Nicht «Kosten pro Klick (alle)»: dort zählen auch Klicks auf das Profilbild, den Seitennamen und «Mehr anzeigen». Die beiden Werte unterscheiden sich regelmässig um ein Mehrfaches — und die kursierenden Benchmarks sagen nie, welchen der beiden sie meinen.
Einen vollen Wochenrhythmus wählen
Zeitraum auf die letzten 28 Tage statt «letzte 7 Tage». Klickpreise schwanken über die Woche und über den Monat; sieben Tage enthalten genau ein Wochenende und lassen sich damit zufällig gut oder schlecht ansehen.
Nach Platzierung aufschlüsseln
Aufschlüsselung → Platzierung. Ein Mischwert über Feed, Reels und Stories ist wertlos für Entscheidungen, weil die Platzierungen unterschiedlich teuer sind. Erst hier sehen Sie, welche Platzierung Ihr Budget verbraucht.
Nach Kampagnenziel trennen
Verkehr, Interaktion und Leads gehören nie in einen Durchschnitt. Genau diese Vermischung erzeugt die widersprüchlichen Zahlen im Netz: 0.70 ist ein Verkehrs-Wert, 1.72 ein Sammelwert über alle Ziele.
Den Wert aufschreiben, mit Datum
Ihre Zahl, Ihr Datum, Ihr Zeitraum, Ihre Platzierung, Ihr Ziel. Nach drei Monaten haben Sie eine eigene Reihe — und die schlägt jede fremde Benchmark, weil sie Ihren Markt, Ihre Zielgruppe und Ihre Anzeigen enthält. Eine Zahl ohne Datum, Zeitraum und Bezug ist in drei Monaten nicht mehr nachvollziehbar — auch die eigene nicht.
Was offen bleibt
Gibt es irgendwo eine belastbare Schweizer Zahl?
Ich habe keine gefunden — weder bei Meta, noch bei einem Verband, noch in einer Studie mit nachlesbarer Methodik. Möglich ist, dass eine Schweizer Agentur mit vielen Konten eine hat und sie nicht veröffentlicht. Wenn Sie eine kennen, die Stichprobe, Zeitraum und Land nennt: schreiben Sie mir, ich nehme sie hier auf und schreibe dazu, wer sie erhoben hat.
Sind die 1.72 US-Dollar also falsch?
Nicht unbedingt falsch — unbrauchbar für eine Schweizer Kalkulation. Sie steht auf mehreren Seiten mit Stand 2026 und ist plausibel als weltweiter Mischwert. Ich kann sie nur nicht auf einen Markt, eine Branche oder ein Kampagnenziel beziehen — und die Seite beschreibt die Grösse an zwei Stellen unterschiedlich, sodass nicht erkennbar ist, ob 1.72 ein Durchschnitt oder ein Median ist.
Wie viele Quellen haben Sie geprüft?
Zwei Benchmark-Sammlungen im Volltext, dazu drei LinkedIn-Hilfeseiten in zwei Sprachen und Metas Quartalsbericht. Das ist ein Nachmittag Arbeit, keine systematische Erhebung — für die Aussage «ich habe keine belegte Schweizer Zahl gefunden» reicht es, für «es gibt keine» nicht. Den Unterschied halte ich absichtlich aus.
Hilft ein Blick in den Keyword-Planer?
Für Facebook nicht — der Planer ist ein Google-Werkzeug und liefert Prognosen für die Google-Suche. Schweizer Kosten-pro-Lead-Werte, die man findet, sind teils genau so gebaut: Planer-Prognose geteilt durch eine fremde Conversion-Rate. Das ist eine Modellrechnung, keine Messung, und sie sollte auch so beschriftet sein.
Quellen
- Meta Platforms, Inc., «Meta Reports Second Quarter 2026 Results», Medienmitteilung vom 29.07.2026 — Quartal endend 30.06.2026: durchschnittlicher Preis je Anzeige +12 %, ausgelieferte Anzeigen +14 % gegenüber Vorjahresquartal, Umsatz 60,801 Mrd. US-Dollar. PDF-Fassung gelesen am 29.08.2026.
- LinkedIn Hilfebereich, «Mindestbudget für die Kampagne» — Anforderung von 100 US-Dollar nicht ausgegebenem Budget je Kampagne, um eine neue Anzeigengruppe zu starten; Währungstabelle mit CHF 100.–. Deutsche und englische Fassung derselben Seite am 29.08.2026 abgerufen und verglichen; die deutsche Fassung ist bei INR und JPY fehlerhaft.
- LinkedIn Hilfebereich, Seite zu Zielgruppen und Kampagnenaufbau — «mindestens 300 Mitglieder-Accounts», abgerufen am 29.08.2026 (gerendert gelesen, 213 Textzeilen).
- Zwei Sammelseiten mit Branchen-Benchmarks für Facebook-Anzeigen, beide am 29.08.2026 im Volltext gelesen. Absichtlich nicht namentlich genannt: der Einwand richtet sich gegen die Zahl und ihre Beschriftung, nicht gegen die Anbieter. Gelesen wurden 1.72 US-Dollar als branchenübergreifender Wert für 2026, 0.70 für Verkehrs-Kampagnen, sowie ein Methodik-Absatz, der die Werte als Mediane des ersten Quartals 2026 bezeichnet, mit einem Vorbehalt für abweichend gekennzeichnete Zahlen.
Stand 29. August 2026. Werbepreise ändern sich laufend; Metas Quartalswerte werden mit dem nächsten Bericht ersetzt, Hilfeseiten ohne Ankündigung überarbeitet. Nächste Nachprüfung dieses Beitrags: spätestens 1. März 2027, früher bei einem neuen Quartalsbericht. Wenn Sie beim Nachprüfen etwas anderes finden als ich, schreiben Sie mir — eine korrigierte Zahl ist mir lieber als eine unwidersprochene.
